Drei Frauen von Robert Musil besteht aus drei Erzählungen, Grigia, Die Portugiesin und Tonka. Dabei handelt es sich nicht um unzusammenhängende Erzählungen, sondern eine vielschichtige Einheit. Charakteristisch ist vor allem das Motiv des Todes, der ...
Drei Frauen von Robert Musil besteht aus drei Erzählungen, Grigia, Die Portugiesin und Tonka. Dabei handelt es sich nicht um unzusammenhängende Erzählungen, sondern eine vielschichtige Einheit. Charakteristisch ist vor allem das Motiv des Todes, der dem Protagonisten nicht das Ende des Lebens bedeutet, sondern eine neue Perspektive für das sinnvolle Leben eröffnet.
Der Protagonist, der freiwillig die alltägliche und gewöhnliche Wirklichkeit verlässt, gerät in eine Lebenskrise. Diese Krise hängt mit intimen Beziehungen zu einer Frau zusammen, die zu einer mystischen und märchenhaften Welt gehört. Aber diese Frau wirkt zegleich als ein Ansatzpunkt, die Lebenskrise zu überwinden.
Grigia zeigt den Gegensatz zwischen der wirklichen Welt als Repräsentation der bürgerlichen Ordnungen und der märchenhaften, wo Subjekt und Objekt eins werden. In dieser märchenhaften Welt erlebt Homo eine vollkommene Liebe, was in der wirklichen Welt unmöglich ist. So muss er sein Leben in dem Moment aufgeben, in dem die Liebe von allen Zusammenhängen der alltäglichen Welt befreit wird und einen absoluten Zustand erreicht. Hier ist der Tod nicht als das bloße Gegenteil vom Leben, sondern als eine Selbstbefreiung zu verstehen.
In Die Portugiesin wird eine Art von Wiedergeburt nach dem Erlebnis des Todes thematisiert. Der Herr von Ketten im Mittelalter, dessen Leben vom Krieg geprägt wird, verliert mit dem Ende des Krieges sein Lebensziel. Die Foge ist Identitätskrise und Erkrankung. Während er bisher für sein Volk gekämpft hat, muss er nun sich selbst retten. Das Erlebnis des Todes ermöglicht hier die Befreiung von der Vergangenheit und die Rückkehr zu seiner Frau. Die Liebe spielt die Rolle, ihn vom friedlichen Tod zum Leben zurückzubringen.
In Tonka zeigt sich die spannende Beziehung zwischen einem Wissenschaftler aus der bürgerlichen guten Familie und Tonka, die unter dem Niveau einer guten Familie ist. Der Protagonist glaubt, dass alle Phänomen der Welt mittels Wissenschaft und Vernunft erklärbar sein soll. Im Gegensatz dazu spricht Tonka nicht die gewöhliche Sprache, sondern die Sprache des Ganzen, die vor allem durch Schweigen, Musik und Lachen ausgedrückt wird. Hier geht es unter anderem um die Treueproblematik. Der Protagonist kann Tonkas Schwangerschaft und Geschlechtskrankeit nicht verstehen, weil er dafür nicht verantwortlich ist. Wenn er ihr glauben und trauen will, muss er sich überwinden, etwas Absurdes für wahr zu halten, was ihm unmöglich ist. Erst vor dem Tod Tonkas versteht er ihre Sprache. Der Tod ist die absoulte und extreme Form des Schweigens und zugleich ein Teil der Sprache Tonkas.