Die Textkohärenz-Forschung ist ein Schwerpunkt der Textlinguistik, wobei es um ein komplexes Phänomen, das für die Textproduktion bzw. -verstehen relevant ist. Trotz zahlreicher Forschungsansaätze ist die Komplexitaät der Kohärenz noch nicht genügend ...
Die Textkohärenz-Forschung ist ein Schwerpunkt der Textlinguistik, wobei es um ein komplexes Phänomen, das für die Textproduktion bzw. -verstehen relevant ist. Trotz zahlreicher Forschungsansaätze ist die Komplexitaät der Kohärenz noch nicht genügend aufgehellt. Der Grund dafür ist, daß die Textkohärenz als ein inhärentes Textmerkmal bestimmt wird. Wenn wir aber die Kohärenz als Verstehensleistung des Rezipienten und damit in bezug auf die Wissenssysteme(Frames/Rahmen) bestimmen, dann ist die kommunikativunktionale Dimension der Textkohärenz herauszufinden.
Die Rekonstruktion der Kohärenz zielt darauf, die im Text versprachlichte und auch nichtverbalisierte Autorintention bzw. -perspektive zu erkennen. Diese ist in mindestens drei Strukturebenen reflektiert: in der propositionalen bzw. thematischen(die kleinste thematische Einheit ist Proposition) und der illokutiven Struktur(die kleinste illokutive Einheit ist die Sprachhandlung und die ausgedrückte Einstellung). Die thematische und die illokutive Ebene bilden zusammen den Kommunikationsakt, der wiederum mit Hilfe des Sprachsystems versprachlicht wird. Notwendig ist, um diese beiden Ebenen zu erkennen, die Analyse der Kommunikationssituation (bzw. des Kontextes) und des pressespezifischen Rahmens. Vor allem werden die illokutiven Strukturen über die Haupt- und Nebenziele konstituiert, die der Textautor mit seinen Sprachhandlungen(wie BEWERTEN, INTERPRETIEREN, DARSTELLEN,...) und den ausgedrückten Einstellungen(wie Überzeugung, Glauben,...) beabsichtigt. Die illokutive Rolle legt somit das allgemeine kommunikative Ziel einer Sprachhandlung bzw. ihres Illokutiionsmusters fest, das hier als 'Handlungsmuster' bezeichnet wird.
Der Beitrag 'Leitartikel' ist das sprachliche Resultat komplexer Bewertungs-handlungen des Beiträgers S. Haffner. Ich habe mich in der Interpretation bezogen auf die genauere argumentative Entfaltung der Bewertungshandlungen und ihre Realisierung in sprachlich-grammatischen, textzielbezogenen Strukturen.
Der Beitrag impliziert die dominierenden Handlungsmuster BEWERTEN, KOMMENTIEREN, INTERPRETIEREN und ARGUMENTIEREN aufgund der zusammengefaßten Informationsverteilungen und behandelt die aktuellen Probleme an exponierter Stelle in der Presse(Textillokution).
Der Beitrag ist darauf gerichtet, die Sachverhalte Olympische Spiele, politische Situationen zu BEWERTEN und die Gründe AUFZUZEIGEN, und dadurch den Leser zu ÜBERZEUGEN(beabsichtigte Textwirkung). Der Beiträger WIRBT daher um Zustimmungen(textueller Beziehungsaspekt). Dafür zeigt dieser Beitrag die typische Handlungsstruktur von Meinungsbildungen im pressespezifischen Leitartikel. Unter dem Vorzeichen sachverhaltsbezogener Argumentation wird eine THESE AUFGESTELLT und BEGRÜNDET; dabei wird der ganze Beitrag durch argumentativ-persuasive Muster verstärkt. Dazu dienen alle möglichen ARGUMENTIERENDEN Silmittel der Zuspitzung, Verstärkung, Klärung, Glaubwürdigkeitssteigerung u.a., die auch nur der Verständnissicherung dienen können, hier aber der Persuasion gelten.
Nicht behandelt wurden aber infolge Raumknappheit Ablauf der Informationsstruktur. Darüber hinaus müssen die rein sprachliche Referenzstruktur, die lexikalische Verwendungsebene und die Makrostruktur berücksichtigt werden. Die all diese Ebenen umfassende vollständige Analyse der Kommunikationsstruktur des Textes soll hier weiter beschrieben werden.