Der Begriff “Medienrealität” ist heute aktuell geworden. Obwohl die Medien zur Vemittlung der Kommunikation auch in der Vergangenheit sehr verallgemeinert worden sind, gelten sie heute nicht mehr als bloßes Mittel. Die Entwicklung der elektronischen b ...
Der Begriff “Medienrealität” ist heute aktuell geworden. Obwohl die Medien zur Vemittlung der Kommunikation auch in der Vergangenheit sehr verallgemeinert worden sind, gelten sie heute nicht mehr als bloßes Mittel. Die Entwicklung der elektronischen bzw. technologischen Medien verändert sowohl die Realität unserer Welt als auch das Sein schlechthin. Der Begriff “Medienrealität” ist synonym mit den anderen Begriffen wie “digitaler Schein” bzw. “virtuelle Realität”, “Informationsgesellschaft”, die den tradierten Gegensatz zwischen Sein und Schein, dem Wahren und dem Falschen auflöst und zu einer neuen “Form der Realität” avanciert werden.
Um die Medienrealität zu analysieren, werden im zweiten Kapitel die verschiedenen Elemente illuminiert, durch die neue Medienrealität und Kultur konstituiert werden: ganz neue “immaterielle Basis” der Information, Macht der Bilder, Geschwindigkeit, neue computerielle Wahrnehmung, “Medienwerk”. Diese Elemente beherrschen sowohl die Realität als auch die Kultur. Abschließend wird die Möglichkeit reflektiert, wie die Kunst (besonders die Literatur) die Medienrealität überwinden und ihre alternativen Wege eröffnen kann.
Im dritten Kapitel wird der Begriff “virtuelle Realität” philosopisch überprüft, wobei er die Gemeinsamkeiten mit den tradierten philosophischen Begriffen wie “dynamis”, “potentia”, “virtualite”/“possibilite” usw. teilt. Auch kann der Widerspruch der “virtuellen Realität” bestätigt werden, die vor allem auf der radikalen Veränderung von Technik, Information und Kapital basiert. Das heißt: es ist ein Widerspruch oder die Verhüllung der ontologischen Implikation, daß die virtuelle Realität durch die allmähliche Negierung ihrer Virtualität zur Realität erhoben wird.
Im vierten Kapitel wird das Verhältnis der Gesellschaft zu Umwelt, Information und Medien aus der Sicht der Luhmannschen Systemtheorie betrachtet. Daraus ergibt sich, dass die Gesellschaft als Sozialsystem bei ihrer Selbstreproduktion mit der Leitdifferenz von System/Umwelt operiert und damit die Selbstreproduktion der Gesellschaft von der Veränderung ihrer Umwelt (Technik, Bewußtsein, Organismus usw.) abhängig ist. Dabei ist deutlich, dass Medien (Schrift, Buchdruck, Elektronik usw.), die zur Verbreitung der Informationen dienen, bei der Evolution der Gesellschaft eine entscheidende Rolle gespielt haben.
Schließlich handelt es sich um die unterschiedlichen soziologischen Theorien über das Verhältnis von Medien und Gesellschaft. In den Vordergrund treten dabei die Theorien von D. Bell und M. Poster. Bells Theorie der postindustriellen Gesellschaft behandelt die Entwicklung der Technologie, die heute die Kultur und die Gesellschaftsstruktur stark verändert. Gegen Bell postuliert Poster eine Wende von der Produktionsweise zur Informationsweise, indem er die Verwandtschaft mit der postmodernen Theorie teilt. Seiner Perspektive zufolge gilt heute nicht das Kapital, sondern die Information als Hauptmovens der Gesellschaft.
Die Medien können weder das Absolute noch die Utopie sein. Was der Euphorie der sog. “idealen Entwicklung der Medien” kritisch gegenüberstehen kann, ist nichts anderes als die kritische Reflexion der Kunst.