Enzensberger gestaltet das Schichksal des riesigen Passagierdampfers "Titanic" poetisch. Mit diesem Gedichtband findet er innerhalb seiner literarischen Entswicklung eine neue Tendenzwende. Er wendet sich mit ihm dem äathetischen Spiel zu. E ...
Enzensberger gestaltet das Schichksal des riesigen Passagierdampfers "Titanic" poetisch. Mit diesem Gedichtband findet er innerhalb seiner literarischen Entswicklung eine neue Tendenzwende. Er wendet sich mit ihm dem äathetischen Spiel zu. Er überwindet seine übergroßen Hoffnungen, durch Dichtung dtwas gesellschaftlich zu verändern, derart, daß er den Untergang der Welt mittels Bilder und Reflexionen gestaltet. Die Gedichte spielen sich auf 4 Ebenen ab: 1. Der Untergang in Episoden 2. Die Reflexion der Geschichte in ihrer Entstehung 3. Die Reflexion beider Erzählebenen ineinander. 4. Die Bildbeschreibungen. Diese vier Ebenen sind in ein Mosaik der kleinsten Einheiten aufgesplittert. Diese Arbeit kkonzentriert sich auf die letzten zwei Themen(3. u. 4.), die mein früherer Aufsatz "Die Ästhetik des Untergangs" nicht behandelt hat, um die Bildkompositionen der Gedichte im Sinne der "Demontage durch Montage" komplementär zu interpretieren.
Was Enzensberger als Vorstellungen des Fortschritts annimmt, sind die Erkenntnisse von den "Philosophen" und "Naturwissenschaftlern". Die Genossen der "Fachschaft Philosophie", die an den Fortschritt glauben, witten hinter dem ohnmächtigen Apparat der 'Theorie' eine latente Macht zum Umsturz, vor der sie sich aber schützen. Sie wollen bloß die bestehende Form der Gesellschaft erhalten. Die Naturwissenschaftler, die Priester des Fortschritts, wissen nicht, was sie tun, weil die Logik ihres Tuns ihr Gewissen überwältigt. "Wider besseres Wissen" oder für die sogenannte "innere Sicherheit" stellen sie ihr Tun ein, und machen sich bloß Illusionen über ihr Gefängnis. Diese Bilder spielen als komplementäre Negativität zur Gesellschaft im ganzen Gedichtband eine wichtige Rolle.
Die nächsten Bilder, die aus 4 Bildbeschreibungen aus dem Mittelalter bestehen, deuten die Entwicklung der Erkenntnis im Medium der Kunstgeschichte an, um den menschheitlichen Untergang transparent zu übermitteln. Sie zeigen die Arbeit des epischen Ichs und zugleich als typisch für mittelalterliches Kunst- und Künstlerverständnis.
Das erste Bild trägt die Überschrift: "Apokalypse. Umbrisch, etwa 1490". Apokalypse ist auch ein wichtiges Thema des "Untergangs der Titanic". Das Bild in dieser Phase zeigt die Unmittelbarkeit und die Totalität. Die Apokalypse kann daher als der persönliche Untergang des Malers selbst gedeutet werden. Der Grund, weshalb Enzensberger dieses Bild hierher gestellt hat, ist gerade dies, daß der Untergang der europäischen Zivilisation schon am Beginn der Neuzeit begonnen hat. Das zweite Bild "Abendmahl. Venezianisch, 16. Jahrhundert" geht in eiene anderen Stil über. Der Maler des Bildes erklärt, dieses gehöre dem Maler selbst, während das erste Bild anonym geblieben war. Allerdings malt er in dem Bild einen fremden Gegenstand, wie z. B. die Suppenschildkröte bei der “Heiligen Anna selbdritt”. Es bedeutet, daß Kunstwerke einen versteckten Sinn haben: sie heben den Widerspruch zwischen Tendenz und Latenz auf. Das letzte Bild entstand im Zeitalter der Autonimie der Kunst: "Die Ruhe auf der Flucht. Flämisch, 1521". In der letzten Bildbeschreibung fragte das Publikum nach seinen fragwürdigen 'fremden' Gegenständen. Aber dieses Bild versucht, den Vorwürfen solcher Kritiker Antwort zu geben. Es geht dem Bild nicht mehr um das Ich als Gegner, sondern um das Ich als den Beobachter, den Rezipienten. Der Beobachter sieht, was das Ich im Bild nicht sehen kann. Dies bedeutet, daß jedes Subjekt im Bild als Selbstzweck existiert: die Autonomie der Kunst. Enzenbberger glaubt in solcher Vermittlung zu zeigen, daß der Untergang der Welt eigentlich schon da ist, obgleich man ihn aufgrund der Begrenzung der Erkenntnis nicht wahrnimmt.
Im Ganzen ironisiert er hier das Leben selbst. Und darüberhinaus parodisiert er solche Lebensmomente kritisch derart, daß der Untergang nicht vermieden werden kann, auch wenn er wahrgenommen wird "Der Untergang der Titanic" ist bei Enzensberger nicht als ein geschichtlicher Schiffsuntergang, sondern als irgendein beliebiger Untergang zu verstehen. Er öffnet durch die spielerischen Kompositionen der montierten Bilder einen neuen Horizont der Lyrik: die Ästhetik der Manipulation.