In dieser Arbeit geht es um den Weimarer Musenhof, in dem Herrzogin Anna Amalia als Salonière für die Pflege der schönen Künste Sorge trug. Die geselligen Zirkel bei Anna Amalia waren repräsentativ für den für Kunst und Literatur aufgeschlossenen Hof ...
In dieser Arbeit geht es um den Weimarer Musenhof, in dem Herrzogin Anna Amalia als Salonière für die Pflege der schönen Künste Sorge trug. Die geselligen Zirkel bei Anna Amalia waren repräsentativ für den für Kunst und Literatur aufgeschlossenen Hof und bildeten einen besonderen Anziehungspunkt. In ihrer berühmten Tafelrunde im Wittumspalais trafen sich regelmäßig gebildete Frauen und Männer, unter denen meistens Mitglieder des Liebhabertheaters, aber auch Christoph Martin Wieland und Herder. Vor allem bildeten Poesie und Musik den Inhalt der Gespräche, bei denen sich jeder einzelne zwanglos auch für sich beschäftigte.
Während der Sommermonate wurde die Gesellschaft nach Tiefurt eingeladen. Hier traf man sich in freier Natur, pflegte geistreiche Unterhaltung wie im Wittumspalais. Neben ständigen Gästen kamen später auch Schiller, Jean Paul, die Brüder Humboldt und Voß nach Tiefurt.
Auf Initiative Anna Amalias entstand eine eigene Zeitschrift, das berühmt gewordene Tiefurter Journal. Sie wurde nicht gedruckt, sondern kursierte in elf handgeschriebenen Exemplaren, wurde aber dennoch weithin bekannt. Von 1780 bis 1784 erschienen 49 Nummern.
Durch Goethes Mitwirkung erlangete das Liebhabertheater einen vorher nie erreichten Höhepunkt. Das Repertoire enthielt neben Stücken der Weltliteratur auch zahlreiche zeitgenössische Singspiele und Komödien, vor allem aber Bühnendichtungen Goethes, wie Die Mitschuldigen, Die Fischerin und Iphigenie auf Tauris (Prosafassung).
Da es seit dem Schloßbrand in Weimar keine feste Spielstätte gab, wich man zum Theaterspielen in die Sommerschlösser Ettersburg und Tiefurt aus. In der Stadt stand dafür das Redoutenhaus an der Esplanade zur Verfügung. Die reizvolle landschaftliche Umgebung von Ettersburg und Tiefurt veranlaßte das Liebhaberensemble im Sommer gelegentlich auch zu Auftritten in der freien Natur. Neben Corona Schröter, der einzigen professionellen Schauspielerin der Liebhaberbühne, gehörten dem Ensemble ferner von Knebel, von Seckendorff, Märchendichter Musäus und Luise von Goechhausen an. Gelegentlich traten auch Carl August, sein Bruder Constantin und Anna Amalia auf.
Im Jahre 1780 wurde das <Weimarische Komödien- und Redoutenhaus> gebaut. Zu Redouten kam man in zweiwöchentlichem Turnus regelmäßig in der Zeit zwischen dem Weinachtsfest und Aschermittwoch sowie in unregelmäßiger Folge in der Herbstsaison zusammen.
Geselligkeit in Weimar, das war zunächst vor allem Hof-Geselligkeit, wie sie die Zirkel Anna Amailas, die Redouten und das Liebhabertheater zeigten. Träger der Geselligkeit war die Hofgesellschaft. So unternahm Goethe nach der Rückkehr aus Italien den Versuch, eine eigenständige Form bürgerlicher Geselligkeit zu begründen. Ihm schwebte eine gelehrte Gesellschaft vor, die regelmäßig Sitzungen zu gemeinsamer Unterhaltung, Vorlesungen und anderen Mitteilungen durchführen sollte. Monatlich, jeweils am ersten Freitag, war eine Session vorgesehen. Tagungsort war Goethes Haus am Frauenplan, mitunter auch das Wittumspalais. Unter ständigen Teilnehmern fanden auch Voigt, Wieland, Herder und Hufeland. Nach dem Scheitern der Freitagsgesellschaft versuchte Goethe noch einmal, sein eigenes Haus zu einem geselligen Zentrum zu entwickeln. So entstand eine Runde, die unter dem Namen <Cour d’amour> in die Kulturgeschichte des klassischen Weimar eingegangen ist. Dieser Verein für bessere Geselligkeit verpflichtete die Beteiligten, unter denen die Ehepaare Schiller, Egloffstein, Wolzogen und Meyer, sich wöchentlich einmal, abends nach dem Theater, im Goetheschen Hause zu treffen. Hier kam es darauf an, eine Geselligkeit von neuer Qualität zu befördern, die im Zusammenspiel von Geist und Musik zu einer gesungenen Geselligkeit führen sollte. Es ging auch scheitern aus Anlaß von einer von Kotzebue inszenierten, jedoch gescheiterten Schiller-Ehrung am 1803.
Ein neuer bürgerlicher geselliger Kreis, indem sogar seine Frau Christiane Aufnahme fand, wurde von Johanna Schoppenhauer veranstaltet, die 1805 nach Weimar übergesiedelt war. Goethes Versuch, eine vom Hof unabhängige bürgerliche Gesellschaft zu begründen, scheiterte. Aber es blieb ohne Wirkung, wie er slebst wenige Woche vor seinem Tode gegenüber Soret äußerte: ,,Was bin ich denn selbst, was habe ich geleistet? Alles war ich gesehen, gehört und beobachtet, habe ich gesammelt und ausgenutzt. Meine Werke sind von unzähligen verschiedenen Individuen genährt worden, von Ignoranten und Weisen, Leuten von Geist und Dummköpfen; die Kindheit, das reife und das Greisenalter, alle haben mir ihre Gedanken entgegengebracht, ihre Fähigkeiten, Hoffnungen und Lebensansichten; ich habe oft geerntet, was andere gesät haben, mein Werk ist das eines Kollektivwesens, das den Namen Goethes trägt.“