Der Erfolg der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußballweltmeisterschaft im eigenen Land 2006 war unerwartet und seine Wirkung war enorm. Er reichte über den sportlichen Bereich hinaus und hatte große Auswirkungen auf gesellschaftlichem und k ...
Der Erfolg der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußballweltmeisterschaft im eigenen Land 2006 war unerwartet und seine Wirkung war enorm. Er reichte über den sportlichen Bereich hinaus und hatte große Auswirkungen auf gesellschaftlichem und kulturellem Gebiet. Die deutschen Fans identifizierten sich während des Turniers mit der Nationalmannschaft und zeigten aktiv ihre Gefühle, indem sie sich bunt kostümierten, vor allem mit den Nationalfarben schwarz-rot-gold, und auf Fan-Meilen sowie auf Straßen fröhlich feierten. Dieses verbreitete Vorzeigen und Auftreten der deutschen Flagge und der deutschen Nationalfarben an Autos und Bekleidung löste eine Debatte über diesen neuen, sogenannten fröhlichen Patriotismus aus.
In der vorliegenden Untersuchung soll eingegangen werden auf dieses neue Phänomen in der deutschen Gesellschaft anläßlich der Fußball-WM. Die Arbeit will das Verhältnis zwischen dem sportlichen Ereignis 2006 und der kulturellen Indentität in Deutschland in Bezug auf den fröhlichen Patriotismus der Bundesrepublik herausarbeiten. Hierfür wurden zweierlei Materialien, d.h. der Dokumentarfilm Deutschland, ein Sommermärchen von Sönke Wortmann und die Berichterstattung der Medien berücksichtigt. Für die Analyse der Medienberichterstattung wurden die vier Printmedien FAZ, SZ, der Spiegel und die Bild-Zeitung exemplarisch ausgewählt.
Wortmanns Dokumentarfilm, der offizielle Dokumentarfilm der Fußballweltmeisterschaft 2006, konzentriert sich darauf, wie Klinsmanns Mannschaft während des Turniers ganz Deutschland in eine sensationelle Euphorie versetzt. Dazu zeigt der Film nicht nur die sportlich erfolgreiche Nationalmannschaft, die sich im Laufe des Turniers in eine junge, fröhliche Mannschaft verwandelt, sondern auch wie Deutschland in einen Zustand der Euphorie gerät. Die südländische Fröhlichkeit der deutschen Fans, die nicht nur in den Stadien, sondern auch auf den Straßen zu finden ist, bedeutet einen große Unterstützung für die Nationalmannschaft und macht den neuen spielerischen Patriotismus der Deutschen aus. Aus Wortmanns Dokumentarfilm kann man einen gesellschaftlichen kulturellen Diskurs ableiten, denn der Film fokussiert auf ein Wir-Gefühl, mit dem die Deutschen Zugerhörigkeit zu ihrer sowie Stolz auf die Nation neu entwicklen können.
Auch die Printmedien berichten über das sensationelle Phönomen in der deutschen Gesellschaft während des Turniers 2006 und kommentieren mal kritisch, mal gelassen. Der Aspekt einer Identitätskonstruktion zwischen den deutschen Fans und der Nationalmannschaft einerseits sowie der Nation andererseits ist in der Berichterstattung der Bild-Zeitung klar zu erkennen. Hier wird die Eigengruppe aufgewertet, während der Gegner deutlich abgewertet wird. Dagegen ist die Berichterstattung der Tageszeitungen FAZ und SZ sowie der Zeitschrift Der Spiegel eher unaufgeregt und nüchtern, manchmal geradezu sachlich. Die Allgegenwärtigkeit der Nationalfahne während des Turniers akzeptieren diese drei Printmedien als eine Art Party-Stimmung, in der die deutschen Fans als Gastgeber ein großes Fußballfest mit südländischer Ausgelassenheit feiern und ein neues Gesicht der Leichtigkiet, Leidenschaft und Weltoffenheit zeigen. Die Printmedien vermittlen die WM zwar unterschiedlich nach ihrer jeweiligen Tradition, berichten aber gemeinsam positiv über die Stimmung der deutschen Fans, die in der bunten Kostümierung ihrer Nationalfarben eine gemeinwohlorientierte Haltung zeigen.
Das neue deutsche Image war eine mediale Inszenierung, denn das Phänomen im Sommer 2006 wurde durch die Medien ständig vermittelt und verstärkt, woraus sich schließlich ein neues Deutschlandbild ergibt.